Acem Meditation International

Neutralität als Werkzeug

Acem unterscheidet sich von vielen anderen Meditationsorganisationen dadurch, dass der Rahmen um die Meditation neutral ist, nicht ideologisch und nicht religiös. Die Neutralität ist ein grundlegender Teil von Acems Methode. Sie bietet mehr Raum für die Gedanken und Gefühle einer Person. Sie unterstreicht die Verantwortung des Einzelnen für sein eigenes Leben. Acems Neutralität ist nicht ein taktisches Manöver, um Meditation für den modernen Menschen bekömmlich zu machen. Die Neutralität stimuliert eine stille reflexive Emotionalität und erzeugt größere Nähe zum eigenen Leben.

von Oyvind Ellingsen (geb. 1952), Professor für zellulare Kardiologie an der Universität Trondheim (NTNU), Meditationslehrer

Acem-Meditation wird in einem Rahmen unterrichtet, der für viele erstaunlich neutral ist. Im Meditationskurs bei Acem lernt man eine Technik, die jedem, unabhängig von seiner Lebenseinstellung, große Möglichkeiten bietet, wenn er sich dazu entscheidet, die Technik in seinem Alltag zu integrieren. Der so in Gang gebrachte Prozess soll in erster Linie den Geist öffnen, nicht ihn auf eine bestimmte Ideologie festlegen.

Es ist unter anderem die Neutralität, die viele veranlasst, Acem-Meditation den Alternativen vorzuziehen. Die meisten Interessenten möchten die positiven Effekte der Meditation erfahren, ohne gleichzeitig leere Dogmen oder eine schwärmerische Sprache schlucken zu müssen. Das gilt nicht nur im Westen, sondern auch in Indien und Taiwan, wo Acem gern als wissenschaftlicher angesehen wird als andere Gruppen. Mit “wissenschaftlich” meint man offenkundig, dass Acem nicht auf traditionelles Meditationsverständnis baut.

Die Neutralität prägt nicht nur Acems Präsentation nach außen, sondern sie ist ein wichtiges Element seiner Pädagogik. Zum einen trägt Acems neutraler Rahmen dazu bei, das Augenmerk mehr auf Erfahrung zu richten als auf Ideen und Meinungen. Zweitens bringt der Grundbegriff in Acems Meditationspsychologie, nämlich Gelassenheit, eine Art neutrale Offenheit mit sich für das, was sich in Meditation ausspielt. Drittens legt Acem Wert darauf, dass das Meditationsobjekt, auf das man die Aufmerksamkeit richtet, nämlich der Meditationslaut, frei von sprachlicher oder symbolischer Bedeutung sein soll, damit es nicht zu begrenzenden Assoziationen kommt. Und schließlich ist Acems Meditationsbetreuung von einem offenen und in diesem Sinne neutralen Erforschen des Stoffes geprägt, den die Meditation hervorbringt.

Gegen den Strom

Als Acem im Jahre 1966 gegründet wurde, war es keine Selbstverständlichkeit, dass Neutralität ein Kennzeichen der Organisation werden sollte. Im Gegenteil. Der Zeitgeist verband damals Meditation mit indischen Gurus, hinduistischer Mystik und Couleur, und mit manchmal reichlich unrealistischen Versprechungen einer neuen Weltordnung. Neutralität zu wählen bedeutete, gegen den Strom zu schwimmen. In Acem reifte diese Wahl über mehrere Jahre heran. Der Hintergrund war nicht nur persönliche Ablehnung von Sentimentalität und Träumerei, sondern konkrete Erfahrungen damit, wie eine blumige Sprache für viele Menschen zu einem Hindernis für persönliches Wachstum wurde. Es war eine große Herausforderung, einen Rahmen für Meditation zu wählen, der nicht zu Größenwahn und Entfremdung verleitete. Die Neutralität, von der wir im Zusammenhang mit Acem sprechen, ist in erster Linie ein Arbeitsmittel. Der meditative Prozess kann in sich selbst sehr geladen sein. Man gerät an das, was man sonst weg hält. Ein hoher Grad an Neutralität kann es für den Einzelnen leichter machen, jene Offenheit aufzubringen, die widersprüchliche innere Impulse aufkommen lässt. Der innere Strom von Gedanken wird nicht auf einer Werteskala gemessen, wo manches gut ist und manches schlecht.

Offenheit und Ungebundenheit

Acem-Meditation zu lernen, bringt eine Wertewahl mit sich, zumindest, wenn man die Methode zu mehr als zu einfacher Entspannung gebraucht. Die persönliche Entwicklung, die durch Meditation angeregt wird, kann Einstellungen in Frage stellen, die man für selbstverständlich gehalten hat. Vielleicht kommt man auf den Gedanken, dass andere Lebensweisen als die gewohnten besser Raum für Entfaltung von einem selbst und der Gemeinschaft geben können. Das kann Konsequenzen haben sowohl für die Lebenseinstellung und den Lebensstil, als auch für die Wahl des Lebensweges. Wenn auch die Arbeitsweise neutral ist, das Ergebnis der Methode braucht es nicht zu sein. Im Gegenteil: Der Umstand, dass der Ausgangspunkt neutral ist, kann bewirken, dass der Prozess zu einer Selbstbilanzierung führt, die man sich anfänglich nicht vorgestellt hatte. Neutralität bringt auch Offenheit und Ungebundenheit mit sich.

Der Prozess kann anregen, aber auch provozieren. Acem Meditation rührt an tiefen Sehnsüchten nach Verwirklichung, aber sie aktiviert auch Widerstand gegen Veränderung. Die Methode ist schonend, aber kraftvoll. Über längere Zeit kann es schwierig sein, demgegenüber gleichgültig zu bleiben, was sie in Gang setzt. Neutralität bedeutet nicht Mangel an Engagement sondern Offenheit für die Kräfte, die sich im Geist ausspielen. Acems Neutralität wird am deutlichsten sichtbar durch den Rahmen, in dem die Meditation präsentiert wird. Er wird nicht von überlieferten Dogmen getragen. Er ist auch nicht an eine stimmungsgeladene blumige Sprache geknüpft. Er stellt vielmehr einen konkreten Versuch dar, ein dynamisches und erfahrungsbasiertes Verständnis zu schaffen, das dem Einzelnen hilft, die Möglichkeiten der Meditation besser zu nutzen. Der Rahmen enthält sowohl Elemente der modernen Psychologie, als auch eines mehr traditionellen meditativen Denkens. Das Wichtige dabei ist, dass der Nutzwert der Ideen durch Erfahrung bestätigt wird.

In der Zeit um 1970 präsentierte eigentlich nur Acem Meditation in einem neutralen Rahmen. Heute gibt es mehrere Gruppen, die dasselbe tun, wenn auch variiert, was sich hinter der neutralen Verpackung befindet. Für manche ist die Neutralität nicht mehr als eben eine Verpackung, die das Meditieren leichter zu akzeptieren macht. Für andere bringt die Neutralität mit sich, dass Meditation zu einer Entspannungstechnik ohne weitere existentielle Bedeutung reduziert wird. Das Besondere an Acem besteht in der Einbeziehung der Neutralität in die Entwicklung einer gebrauchsorientierten Meditationspsychologie. Die Neutralität ist ein Teil der Methode, die Acem-Meditation so kraftvoll macht als Werkzeug existentieller Entwicklung.

Der neutrale Rahmen steht am deutlichsten im Gegensatz zu einem magisch-mythologischen Rahmen, in dem Meditation von luftigen Versprechungen, enormen Zukunftsaussichten und verführerischen Stimmungen umgeben ist. Ein magisch-mythologischer Rahmen ermuntert leicht zu realitätsfernen Größenfantasien. Diese können Probleme bereiten, wenn man sich auf eines der wichtigsten und schwierigsten Arbeitsgebiete von Meditation einlassen will, nämlich dem hemmenden Einfluss geringer Selbstbilder. Um geringe Selbstbilder zu bearbeiten, muss man wagen, sich ihnen zu nähern. Hält man sie stattdessen durch kompensatorische Gedanken über eigene Größe auf Abstand, so üben sie weiter ihren begrenzenden, wenn auch unbewussten Einfluss aus.

Auch in einem traditionellen religiösen Zusammenhang haben viele darauf Wert gelegt, eine gewisse Neutralität und Nüchternheit um das Meditative zu schaffen. Wenn der Dalai Lama und andere Bescheidenheit als eine Tugend hervorheben, so unter anderem, um Tendenzen entgegen zuwirken zu etwas, was man metaphysischen Größenwahn nennen könnte. Charismatischen Gurus, die sich in einem Universum magisch-mythologischer Bedeutung verehren lassen, begegnet man innerhalb etablierter meditativer Traditionen im Großen und Ganzen mit Skepsis. Acems psychologische Orientierung ist eine andere Weise, dem Meditierenden zu Bodenhaftung zu verhelfen, unter anderem dadurch, dass man sich das Zusammenspiel hoher und niedriger Selbstbilder anschaut.

Kontrast zu sentimentalisierter Geistigkeit

Der neutrale Rahmen steht auch in deutlichem Kontrast zu der sentimentalisierten Geistigkeit, die das New Age kennzeichnet und heutzutage oft einen stark kommerziellen Zuschnitt erfährt. Persönliches Wachstum ist eine Herausforderung für den erwachsenen Menschen, die auch Unbehagen und Widerstand hervorruft. Wenn Meditation in eine stimmungsgeladene Sprache von Frieden und Harmonie gekleidet wird, wird man leicht dazu verführt, vorübergehend Trost in Behagen und besänftigenden Gefühlen zu suchen, anstatt die Schritte zu tun, die notwendig sind, um dauerhafte Veränderung zu schaffen. Ein mehr neutraler und nüchterner Rahmen verleitet weniger leicht, angenehme Stimmungen herbeizuführen, anstatt schwierigen Herausforderungen zu begegnen.

Das Verhältnis von Meditation und Religion ist nie einfach gewesen. Traditionellerweise ist Meditation häufig innerhalb religiöser Rahmen praktiziert worden. Aber viele meditative Richtungen haben sich von solchen Rahmen gelöst und traditionelle Dogmen und Rituale in Frage gestellt. Als die großen meditativen Richtungen ein halbes Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in Indien begannen, standen sie zum Beispiel im Gegensatz zum religiösen Establishment.

Oft wurde Meditation als etwas angesehen, was Religion überschreitet. Ein chinesischer Buddhistenmönch drückte es so aus: “Wenn man unter Buddhisten ist, spricht man die Sprache der Buddhisten; wenn man unter anderen ist, spricht man die Sprache der anderen.” Obwohl er von außen gesehen sein Leben dem Buddhismus gewidmet hatte, waren für ihn nicht die Formen des Buddhismus das Zentrale, sondern dessen meditativer Kein.

Acems neutraler Rahmen macht es Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund möglich, sich die Möglichkeiten der Methode nutzbar zu machen. Paradoxerweise haben norwegische Bischöfe zu ihrer Zeit Skepsis demgegenüber geäußert, was sie für die hinduistischen Wurzeln Acems hielten, während sich Muslime in Gambia Sorgen machten, ob diese norwegische Meditationsform zu viel Christentum mit sich bringt. Tatsächlich ist Acem Meditation ein Treffpunkt für Menschen mit unterschiedlichem religiösen und mit nichtreligiösem Hintergrund. Acem-Meditation wird von Christen und Juden praktiziert, von Muslimen, Hindus, Sikhs und Buddhisten, von Taoisten, Animisten, Agnostikern und Atheisten.

Neutrale Haltung: Gelassenheit

In Bernardo Bertoluccis Film von 1980 über Buddha hört die Hauptperson einen Sitarspieler in einem Boot auf dem Fluss. Das lässt ihn eine grundlegende Wahrheit über den Weg des Menschen zu Erkenntnis verstehen. Wird die Saite der Sitar zu fest gespannt, wird der Ton zu hart, ist die Saite zu locker, wird der Ton zu schwach. Es gilt, den goldenen Mittelweg zu finden.

In einer Geschichte des chinesischen Denkers Mencius (ca. 372-289 v.Ch.) versucht ein Bauer, das Getreide lang zu ziehen, um ihm beim Wachsen zu helfen, mit dem Ergebnis, dass es verkümmert. "Viele Menschen sind wie der Bauer", sagt Mencius, und fügt aber hinzu, dass andere das Getreide wild wachsen lassen, ohne Pflege. Mencius wünscht sich Menschen, die sich Zeit nehmen, den Getreideacker zu bestellen, ohne so übereifrig zu werden, dass sie ihn zugrunderichten.

Acem-Meditation ist auch ein goldener Mittelweg. Wenn man meditiert, wiederholt man gedanklich einen Laut. Strengt man sich dabei an, wird daraus Konzentration, wie die zu fest gespannte Saite, oder wie der Bauer, der dem Getreide helfen wollte zu wachsen. Wird man gleichgültig, entsteht Undeutlichkeit, wie bei der allzu schlaffen Saite oder wie bei jenen, die das Getreide wild wachsen lassen, ohne sich darum zu kümmern. Den Laut mit Gelassenheit zu wiederholen, bedeutet, die Saite gerade passend fest zu spannen, oder, dem Getreidefeld die Pflege zukommen zu lassen, die es für ein volles Wachstum benötigt.

Auch dies hat mit Neutralität zu tun. Gelassenheit ist die Haltung, welche gedanklichen Impulsen am meisten Freiheit gibt. Sowohl die Anstrengung der Konzentration, als auch die Gleichgültigkeit des Treibenlassens schränken das Aufmerksamkeitsfeld ein; beides stellt eine Art Erlebniskontrolle dar. Wird der Laut mit Gelassenheit. wiederholt, lässt man die Kontrolle los.

Viele meditative Traditionen haben wie Acem betont, dass Meditation ohne Anstrengung, aber mit aufmerksamem Bewusstsein durchgeführt werden soll. Es ist einfach, sich nicht anzustrengen, wenn man gleichgültig ist, und es ist leicht, aufmerksam zu sein, wenn man sich anstrengt, aber in beiden Fällen wird das Bewusstsein weniger sensitiv. Meditation ist ein Training darin, wach zu sein, ohne sich unter Druck zu setzen.

Aber an diesem Punkt befinden sich viele meditative Traditionen in einem Konflikt. Auf der einen Seite sprechen sie von Nichtanstrengung und Aufgeben von Kontrolle, aber auf der anderen Seite ist es ein Problem für sie, die Gedanken zu akzeptieren, die unweigerlich das Bewusstsein füllen, wenn man die Kontrolle loslässt. Sie betrachten die Gedanken als Störungen und Gedankenleere als ein Ziel. Damit verleiten sie dazu, dem Ideal unangestrengter Meditation nachzuhängen, denn wenn man sich nur ein ganz klein wenig anstrengt, schafft man vielleicht wenigstens, die am meisten störenden Gedanken in die Flucht zu schlagen. Nicht alle Meditationsrichtungen haben ein solch feindliches Verhältnis zu den Gedanken, aber die meisten betrachten sie bestenfalls als ein notwendiges fiel.

Kein Streben nach Gedankenleere

Acems Pädagogik versteht Gedankenleere nicht als ein Ziel. Im Gegenteil, es ist von großem Wert, dass die spontanen Gedanken ungehindert eintreffen dürfen. In manchen Fällen wird Meditation bewirken, dass der Gedankenstrom zur Ruhe kommt, aber in anderen Fällen kann er sogar intensiver werden. In jedem Fall ist es wichtig, dass das, was spontan geschieht, sich ausspielen darf, selbst wenn es einen ab und zu vergessen lässt, den Laut zu wiederholen. Nur so können die Spannungen bearbeitet werden, die sich an die Gedanken knüpfen. Und nur so können die Ressourcen und die Kreativität, die im Gedankenstrom liegen, gute Wachstumsbedingungen bekommen. Der Meditierende soll nicht für oder gegen die Gedanken Stellung nehmen, die während des Meditierens auftauchen mögen.

Dasselbe gilt für Gefühle und Stimmungen. Es ist leicht zu glauben, dass man besser meditiert, wenn man sich wohl fühlt. Viele Gruppen, die Meditation unterrichten, setzen sehr auf Stimmungen und Zustände, wenn sie ihre Methoden darstellen. Und selbstverständlich ist es wahr, dass Meditation die Stimmungslage beeinflussen kann. Aber subjektive Beurteilungen dessen, wie gut man meditiert, haben erstaunlich wenig Zusammenhang mit objektiv messbaren physiologischen und medizinischen Ergebnissen der Meditation. Die gute Meditation ist nicht jene, in der alles wie geschmiert geht, sondern die, in der den spontanen Stimmungen im Bewusstsein Raum gegeben wird, gleichgültig ob das in dem Augenblick Behagen oder Unbehagen verursacht.

Diese offene Haltung gegenüber den spontanen Impulsen des Geistes gehört mit zum Ersten, was ein Teilnehmer des Anfängerkurses in Acem-Meditation lernt. Das Wichtige ist nicht, “wie es einem geht”, sondern “wie man es nimmt”. Nicht der Inhalt, sondern die Ausführung die gelassene Lautwiederholung – bringt Resultate.

Neutrales Objekt: Meditationslaut

In Acem-Meditation ruht die Aufmerksamkeit auf einem Meditationslaut, der gelassen im Bewusstsein wiederholt wird. Der Meditationslaut ist aus Vokalen und Konsonant aufgebaut, mit betonten und unbetonten Silben. In dieser Hinsicht gleicht er einem gewöhnlichen Wort. Aber im Unterschied zum sprachlichen Wort hat der Meditationslaut keine Bedeutung, weder sprachlich noch symbolisch. Er wirkt dank seiner Lautqualität, nicht auf Grund seines Bedeutungsinhaltes.

Diese Neutralität unterscheidet den Meditationslaut von sehr vielen anderen Meditationsobjekten. Viele Meditationsformen zentrieren die Aufmerksamkeit auf einen gegebenen Bedeutungsinhalt. Das können religiöse oder philosophische Schriftstellen sein, visuelle oder symbolische Zeichen einer kosmischen Weltordnung (z.B. Mandalas) oder Mantras, die auf Götternamen oder Gebeten beruhen.

Die Neutralität des Meditationslautes kann verwirrend wirken. Es muss doch etwas dahinter stecken? In der Zeit um 1970 hegten einige christliche Kritiker den Verdacht, dass es sich um verborgene Götternamen oder anderes Heidnisches drehe. Für viele, die in Indien die Technik gelernt haben, hat es sich als schwierig erwiesen, gutzuheißen, dass sich der Meditationslaut nicht auf eine verborgene metaphysische Botschaft gründet. Wozu dann der Laut?

Es gibt auch andere Meditationsobjekte, die in diesem Sinne neutral sind. Meditation auf die Atmung ist das deutlichste Beispiel. Und der Gebrauch neutraler Laute ist nicht auf Acem beschränkt. Es gibt eine jahrtausendalte Debatte, ob Mantras Bedeutungsträger sind (oder sein sollen) oder nicht. Viele meditative Traditionen haben Wert darauf gelegt, dass Mantras keine sprachliche oder symbolische Bedeutung haben. Einzelne haben, im buddhistischen Geiste, sogar behauptet, dass der fehlende Sinn selbst das Wesentliche ist, weil es den Meditierenden an die grundlegende Leere der Welt der Phänomene erinnert.

Auf der anderen Seite gibt es auch jene, die behaupten, dass alle Mantras einen verborgenen Sinn haben, der aber auf einer anderen Ebene als der rein sprachlichen liegt. Einer Vorstellung zufolge repräsentieren die Mantras eine geheime Sprache, die nur die Götter verstehen. Alle Debatten und Spekulationen führen außerdem dazu, dass die bekanntesten Mantras, wie zum Beispiel oum (auch geschrieben om, ohm, aum), längst dermaßen mit metaphysischer Bedeutung beladen sind, dass es unmöglich ist, an sie zu denken, ohne sie gleichzeitig mit allerlei kosmischen Erklärungen zu assoziieren. Sie haben ihre Neutralität verloren, sofern sie diese einmal besessen hatten.

Neutral, aber wirkungsvoll

In Acem wird betont, dass der Meditationslaut nicht-assoziativ sein soll. Er soll als ein neutraler Fokus für die Aufmerksamkeit fungieren und nicht Richtungen vorgeben, in die er die Gedanken führt. Deshalb soll er auch nicht außerhalb der Meditation verwendet werden, sonst kann ihm leicht dasselbe Schicksal widerfahren wie dem, mit der Zeit so voll mit Bedeutung beladenen Mantra oum. Die Neutralität muss

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